Vanilleextrakt steht in vielen Backrezepten, ist im Handel aber teuer, und oft steckt erstaunlich wenig Vanille darin: Bei der Stiftung Warentest enthielten die meisten getesteten Extrakte und Pasten kaum Vanille (Pressemitteilung vom 17.11.2021). Selbst gemacht brauchen Sie nur zwei Zutaten und etwas Geduld. Wer im Herbst ansetzt, hat zu Weihnachten einen eigenen Extrakt für die Plätzchen oder ein besonderes Geschenk aus der Küche.
Das Wichtigste in Kürze
- Verhältnis: 6 Bourbon-Vanilleschoten (gut 20 g) auf 250 ml Alkohol.
- Alkohol: Wodka oder Rum mit mindestens 37,5 % vol.
- Ziehzeit: mindestens 8 Wochen, dunkel und bei Zimmertemperatur. In den ersten Wochen einmal pro Woche schütteln.
- Haltbarkeit: Durch den Alkohol hält der Extrakt jahrelang und lässt sich immer wieder auffüllen.
Zutaten für 250 ml
- 6 Bourbon-Vanilleschoten, das sind gut 20 g. Je praller die Schoten, desto mehr Aroma geben sie ab.
- 250 ml Alkohol mit mindestens 37,5 % vol, zum Beispiel Wodka oder Rum.
- Eine saubere Glasflasche oder ein Schraubglas mit dichtem Verschluss, am besten aus braunem Glas.
Welcher Alkohol eignet sich?
- Wodka schmeckt neutral, sodass die Vanille ganz im Vordergrund steht. Für den ersten Versuch die beste Wahl.
- Brauner Rum gibt eine warme, leicht karamellige Note, die gut zu Weihnachtsgebäck, Bratäpfeln und Desserts passt.
- Weinbrand oder Bourbon-Whiskey schmecken kräftiger und passen zu Schokoladenkuchen, Brownies und Eis.
Ein teurer Markenschnaps ist nicht nötig, ein einfacher Wodka aus dem Supermarkt reicht völlig. Wichtig ist der Alkoholgehalt: Likör und andere Spirituosen unter 35 % vol sind nicht geeignet.
Übrigens: Bourbon-Vanille hat nichts mit Bourbon-Whiskey zu tun. Der Name stammt von der Île Bourbon, der heutigen Insel La Réunion im Indischen Ozean. Heute bezeichnet er Vanille aus Madagaskar und den Inseln in der Umgebung.
Anleitung: Vanilleextrakt ansetzen
- Schoten aufschneiden: Jede Schote längs aufschlitzen, aber nicht ganz durchschneiden. Das Mark bleibt in der Schote, es muss nicht herausgekratzt werden. Sind die Schoten länger als die Flasche, schneiden Sie sie zusätzlich in der Mitte durch.
- Einfüllen: Die Schoten in die Flasche geben und mit dem Alkohol übergießen. Alle Schoten müssen vollständig bedeckt sein.
- Verschließen und beschriften: Flasche gut verschließen und das Ansatzdatum notieren.
- Ziehen lassen: Die Flasche dunkel bei Zimmertemperatur aufbewahren, etwa im Küchenschrank. In den ersten Wochen einmal pro Woche kräftig schütteln.
- Geduld haben: Nach etwa 8 Wochen ist der Extrakt dunkelbraun und riecht deutlich nach Vanille statt nach Alkohol. Mit jedem weiteren Monat wird er runder, nach 3 bis 6 Monaten ist er am besten.
Wie viel Vanille brauche ich für welche Menge?
| Extrakt | Vanilleschoten | Passende Packung |
|---|---|---|
| 250 ml | 6 Schoten (gut 20 g) | 10 Schoten, der Rest reicht zum Backen |
| 500 ml | 12 Schoten (gut 40 g) | 50 g, 13–16 Schoten |
| 1 Liter | rund 24 Schoten (ca. 85 g) | 100 g, 22–28 Schoten |
Wer es noch kräftiger mag, nimmt etwas mehr Vanille. Mit weniger als 4 Schoten auf 250 ml entsteht eher ein Vanillelikör als ein Extrakt zum Backen.
So verwenden Sie Vanilleextrakt
- Kuchen und Muffins: 1–2 Teelöffel pro Teig
- Plätzchenteig: 1 Teelöffel
- Pudding, Cremes und Vanillesoße: 1 Esslöffel auf 500 ml Milch, erst nach dem Kochen einrühren
- Kaffee, Kakao, Joghurt, Obstsalat: ein paar Tropfen
Als Faustregel ersetzt 1 Esslöffel Extrakt etwa eine Vanilleschote. Wer ganz ohne Alkohol backen möchte, zum Beispiel für Kinder, nimmt stattdessen Vanillepulver oder selbst gemachten Vanillezucker.
Der Endlos-Extrakt: einfach nachfüllen
Ein großer Vorteil des selbst gemachten Extrakts: Er geht nie aus. Gießen Sie nach jeder Entnahme etwas Alkohol nach. Ungefähr jedes Mal, wenn Sie ein Drittel der Flasche nachgefüllt haben, kommt eine neue Schote dazu. Auch ausgekratzte Schoten vom Backen können Sie hineinstecken, sie geben noch viel Aroma ab.
Vanilleextrakt als Weihnachtsgeschenk
Selbst angesetzter Vanilleextrakt in kleinen Fläschchen ist ein Geschenk, über das sich alle freuen, die gern backen. So geht es:
- Setzen Sie eine große Flasche an und füllen Sie den Extrakt kurz vor dem Verschenken in kleine Fläschchen mit 50–100 ml ab.
- Geben Sie in jedes Fläschchen eine halbe oder ganze Schote. Dann reift der Extrakt beim Beschenkten weiter. Deshalb können Sie ihn auch nach 4 bis 6 Wochen schon verschenken, falls die Zeit bis Weihnachten knapp wird.
- Schreiben Sie auf das Etikett das Ansatzdatum, den verwendeten Alkohol und den Hinweis „enthält Alkohol“. Das Geschenk ist für Erwachsene gedacht.
- Ein kleiner Zettel mit Dosiertipps und dem Hinweis zum Nachfüllen macht das Geschenk komplett.
Mit einer 50-g-Packung Vanilleschoten setzen Sie rund 500 ml an, das reicht für fünf Geschenkfläschchen mit je 100 ml.
Typische Fehler
- Zu wenig Vanille: Ein oder zwei Schoten auf eine ganze Flasche ergeben nur einen schwachen Auszug.
- Schoten ragen aus dem Alkohol: Was nicht bedeckt ist, trocknet aus und gibt kein Aroma ab. Schoten kürzen oder Alkohol nachgießen.
- Zu früh probiert: Nach zwei Wochen schmeckt der Extrakt noch stark nach Alkohol. Das ist normal, warten Sie mindestens 8 Wochen.
- Zu schwacher Alkohol: Unter 35 % vol löst sich das Aroma schlechter, und der Extrakt hält nicht so lange.
Häufige Fragen
Wie lange ist selbst gemachter Vanilleextrakt haltbar?
Durch den hohen Alkoholgehalt verdirbt der Extrakt nicht. Gut verschlossen und dunkel gelagert hält er jahrelang. Die Schoten können in der Flasche bleiben.
Was sind die schwarzen Pünktchen im Extrakt?
Das ist Vanillemark, das sich aus den aufgeschnittenen Schoten löst. Es zeigt, dass echte Vanille drinsteckt. Wer einen klaren Extrakt möchte, gießt ihn durch einen Kaffeefilter.
Kann ich ausgekratzte Schoten verwenden?
Ja, aber ein Teil des Aromas steckt im Mark. Mit bereits ausgekratzten Schoten wird der Extrakt milder. Nehmen Sie dann etwa doppelt so viele Schoten.
Bourbon- oder Tahiti-Vanille für den Extrakt?
Bourbon-Vanille aus Madagaskar schmeckt kräftig, süß und cremig und passt zu fast allem, vom Plätzchen bis zur Crème brûlée. Tahiti-Vanille ist blumiger und fruchtiger. Für einen klassischen Backextrakt ist Bourbon-Vanille die übliche Wahl.
Was mache ich mit den Schoten, wenn der Extrakt aufgebraucht ist?
Lassen Sie die Schoten in der Flasche und füllen Sie neu auf, oder trocknen Sie sie und stecken Sie sie in ein Glas Zucker. So entsteht nebenbei noch Vanillezucker.
Unsere Bourbon-Vanilleschoten kommen direkt von unserer Vanillebauernfamilie aus Madagaskar, haben eine Restfeuchte von 28–33 % und eignen sich deshalb gut zum Ansetzen. Zu den Bourbon-Vanilleschoten
